Geschichte

Lage

Die Gemeinde Dürnten mit über 7'500 Einwohnerinnen und Einwohnern liegt im Zürcher Oberland am Fusse des Bachtel und reicht bis auf halbe Höhe an dessen Südwesthang hinauf. Man erreicht die drei Ortsteile Dürnten, Oberdürnten und Tann über die Autobahnausfahrten Dürnten/Bubikon und Rüti-Nord. Alle drei Wachten – wie auch das Quartier Breitenmatt, das zu Oberdürnten gehört – sind per VZO-Bus mit den SBB-Stationen Bubikon, Rüti und Hinwil verbunden.

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Tunriude

Im Stiftsarchiv St. Gallen liegen Urkunden, in denen im Jahre 745 "Tunriude" erstmals erwähnt ist. Der Name ist keltischen Ursprungs und wird folgendermassen gedeutet: Die erste Silbe des Wortes heisst Hügel bzw. Berg; die zweite Silbe bedeutet Ried. Die Ortschaft dürfte schon vor rund 3500 Jahren besiedelt gewesen sein. Ausgrabungen von römischen Niederlassungen und Funde in alemannischen Gräbern an verschiedenen Stellen beweisen die lange Geschichte Dürntens.

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Ausgrabungen

Der älteste Fund auf heutigem Dürntner Boden ist ein Beil, das 1874 beim Hasenstrick gefunden wurde. Dieses Gerät aus Kupfer und Blei wird der Bronzezeit (2200 bis 800 vor Christus) zugerechnet und ist der erste Beleg für einen Menschen in diesem Gebiet. Zwischen dem bronzezeitlichen Beil und vermutlich römischen Funden liegen gut 1000 Jahre, für welche archäologische Belege aus Dürnten fehlen. Von den aus der frühen Eisenzeit stammenden Grabhügeln, die im Zürcher Oberland zahlreich zu finden sind (Pfäffikon, Fehraltorf, Wetzikon, Grüningen etc.), wurde bisher noch keiner auf Dürntner Gebiet entdeckt. Auch für die späte Eisenzeit fehlen archäologische Belege für eine Besiedlung dieser Gegend.

Für das Frühmittelalter hingegen liegen im Zürcher Oberland Informationen in grosser Dichte vor. Am bekanntesten sind sicherlich die unter der Kirche liegenden Mauern eines Vorgängerbaus, bei dem es sich um die älteste im Zürcher Oberland belegte Steinkirche aus der Zeit der frühmittelalterlichen Kirchengründungen handelt. Ausser in der Kirche sind in Dürnten an drei Orten frühmittelalterliche Funde ausgegraben worden. Es sind dies Gräber am Chilchberg (Bronzering, Schwert, Kurzschwerter, Messer, Feuerstahl, Teile einer Gürtelschnalle) und beim Brunnenbüel (Messer, Bronzering) sowie ein Gräberfeld beim Ettenbool (Waffen und Schmuckstücke in 18 Gräbern).

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Mittelalter

Im 8. Jahrhundert entstand der Dinghof (= Gerichtshof) Dürnten, der schon bald Eigentum des Klosters St. Gallen wurde, welches in unserer Gegend grosse Besitztümer hatte. Viele Güter wurden aus freiem Eigentum in Zinslehen umgewandelt. Der Dinghof in Dürnten, zu dem auch eine grössere Anzahl weiterer Orte oder einzelner Höfe ausserhalb Dürntens gehörte, nahm für die habsburgische Verwaltung eine wichtige lokale Position beim Erfassen und Eintreiben der Abgaben ein. Er tritt aber auch als Rechtsraum in Erscheinung, in dem für alle dazu gehörigen Leute einheitliche Bestimmungen über Gerichtsbarkeiten und Erbschaft galten. Diese Regelungen hatten für das Amt Grüningen sogar Beispielcharakter, heisst es doch beim zweiten wichtigen Hof in diesem Amt, dem Hof Mönchaltorf, er habe dieselben Rechte wie Dürnten.

Vom 13. bis ins 14. Jahrhundert hatten die "Meier von Dürnten" als Dienstleute des Abtes von St. Gallen auf einer Burg in Oberdürnten, die später zerstört wurde, ihre Residenz. Die Burgstelle liegt ganz im Norden der Gemeinde an der Grenze zu Hadlikon-Hinwil zwischen zwei Bachtobeln. Ein Plateau von etwa 45 x 15 m Metern Grösse und ein 5 Meter tiefer Graben, der so genannte Halsgraben, der die Burg bergseits schützte, sind noch zu sehen.

Die Vogtei über die Besitztümer des Klosters St. Gallen in Dürnten besassen zunächst die Freiherren von Regensberg, später die Grafen von Toggenburg. 1408 erstand die Stadt Zürich die Landvogtei Grüningen, zu der Dürnten immer gehört hatte. Die Vögte wurden nun vom Zürcher Rat eingesetzt und waren ausschliesslich Vertreter der Stadtzürcher Oberschicht. Wichtigste Kompetenz der Vögte war die Gerichtsbarkeit, also die Berechtigung, ein Gericht abzuhalten. Es wurde zwischen hoher ("dieb und frevel") und niedriger ("twing und bann") Gerichtsbarkeit unterschieden. Der Vogt von Grüningen war in Dürnten für die hohe und niedrige Gerichtsbarkeit zuständig, in Oberdürnten nur für die hohe. Die niedrige Gerichtsbarkeit gehörte dort dem Kloster Rüti.

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Kloster Rüti

Die Zugehörigkeit Oberdürntens zum Kloster Rüti ist bereits in einem päpstlichen Dokument aus dem Jahre 1250 beurkundet. 1286 verkaufte dann Gräfin Elisabeth von Rapperswil ihren Hof in Oberdürnten mit den dazu gehörenden Rechten – insbesondere mit der niedrigen Gerichtsbarkeit – dem Kloster Rüti. In Niederdürnten und Tann gelang es dem Kloster Rüti dagegen nicht so recht, mit der Aneignung von Gütern Fuss zu fassen. Mit der Kirche aber war Rüti in Dürnten nicht schlecht ausgestattet. Im Jahre 1359 erhielt das Kloster das Patronatsrecht über die Kirche Dürnten als Entschädigung für die schweren Schäden, die Rüti in der Auseinandersetzung zwischen Österreich und Zürch erlitten hatte. Rüti und die weitere Umgebung des heiss unstrittenen Rapperswil befanden sich zu dieser Zeit in einer sehr ungemütlichen Lage im Grenzbereich zwischen den beiden rivalisierenden Mächten. So war dieser Teil der Zürcher Landschaft immer wieder das Ziel von Plünderungen und Verwüstungen, unter denen die ländliche Bevölkerung besonders zu leiden hatte. Mit der Übertragung des Patronatsrechtes für die Kirche Dürnten und der Einverleibung dieser Kirche in das Kloster Rüti erhielt diese das Recht, künftig den Dürntner Priester vorzuschlagen, wofür dem Kloster für dessen Entlöhnung Abgaben aus Dürnten zustanden.

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Hungersnot

Die meisten der Dürntnerinnen und Dürntner im Mittelalter betrieben Landwirtschaft und lebten auf kleinen Bauernhöfen, die das Überleben gerade knapp ermöglichten. Einige dürften ihr Einkommen als Schmiede, Müller oder Zimmerleute gefunden haben, die Produkte für die ortsansässigen Bauern herstellten. Die Bevölkerungszahl auf der Zürcher Landschaft hatte sich von 1465 bis 1530 verdoppelt, bis 1585 gar verdreifacht. Die Nahrungsproduktion konnte damit nicht Schritt halten. Den Bauern ein besonderer Dorn im Auge waren die hohen Zehntenabgaben an die Klöster, denn das Gefälle von den wohllebenden Äbten zur armen Landbevölkerung war zu offensichtlich. Die Aufhebung der Klöster war eine populäre Forderung. Der Abt des Klosters Rüti schien die gefährliche Lage geahnt zu haben, denn er floh 1525 mit Geld und weiteren Kostbarkeiten nach Rapperswil. Am Tag darauf plünderten die Oberländer Bauern die Abtei und nahmen so die geforderte Verteilung der Klostergüter gleich selbst an die Hand. Die Johanniterkomturei in Bubikon blieb ebenfalls nicht verschont. Die Verwaltungsaufgaben wurde an Stelle des Klosters dann vom Amt Rüti wahrgenommen.

Ein 1692 erstelltes Verzeichnis der Almosengenössigen in der Pfarrei Dürnten zeigt, dass auch die Dürntnerinnen und Dürntner von der Krisenzeit nicht verschont blieben. Insgesamt sind darin 23 Familien genannt, die unterstützt werden mussten. Sie erhielten vor allem Brot, aber auch direkte finanzielle Hilfe. Gespiesen wurde die Almosenkasse von der Kirche, vom Ertrag der Gemeindegüter und vom Amt in Rüti. Im Verhältnis zur Siedlungsgrösse der damaligen Ortsteile ergibt sich eine auffällige Verteilung: Die besser gestellten Familien gruppierten sich offensichtlich in den dörflichen Siedlungen Dürnten und Oberdürnten, während in den Kleinsiedlungen ausserhalb die Armen hausten. Besonders übel stand es um die Leute in Tann: Die fünf erwähnten bedürftigen Familien dort müssen einen wesentlichen Anteil des gesamten Bevölkerungsbestandes ausgemacht haben.

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Textilindustrie

Die dominierende landwirtschaftliche Produktion in Dürnten nahm im 18. Jahrhundert mit der Verbreitung der Baumwollspinnerei und -weberei zunehmend ab. Baumwollstoff wurde zunächst in der Verlagsproduktion hergestellt: Der Fabrikant besorgte die Rohmaterialien, Heimarbeiterfamilien spannen und woben in ihren Stuben und Kellern, der Fabrikant nahm das Endprodukt gegen Bezahlung entgegen. Um 1790 wurden auch in der Schweiz Garne in Fabriken maschinell gesponnen. Damit verloren Tausende von Heimarbeiterinnen und Heimarbeitern ihren Erwerb. Die Mechanisierung in der Textilindustrie traf Dürnten besonders schmerzlich. Die Helvetische Statistik aus dem Jahr 1799 zeigt dies mit der Erhebung der Arbeitslosen besonders drastisch: Über das gesamte Gemeindegebiet gerechnet waren drei Viertel aller Erwerbstätigen ohne Anstellung.

Dürnten konnte vom Aufstieg der Textilindustrie zunächst nicht profitieren, da die Fabriken wegen der Turbinen in der Nähe von Flüssen angesiedelt wurden, im Zürcher Oberland vor allem entlang der Aa. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts fasste die Industrie mit der Ansiedelung der Webstuhlfabrikation von Caspar Honegger in der Joweid Fuss in Dürnten. Daraus resultierte ein lange anhaltendes und hohes Bevölkerungswachstum, nämlich eine Verdreifachung der Einwohnerzahl von 1800 bis 1910. Zahlreiche Familien aus der Innerschweiz und aus Italien wanderten zu, weil sie Arbeit in der Joweid fanden. Sie veränderten nicht nur das äussere Bild der Gemeinde, sondern brachten auch eine eigene Lebensweise und einen eigenen kulturellen Hintergrund mit.

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Eisenbahn 

In der Mitte des 19. Jahrhunderts setzte eine wahre Eisenbahneuphorie ein.Bahnhof
Innerhalb von wenigen Jahren entstanden zahlreiche Bahnlinien. Ab 1859 verband die Glattallinie Rapperswil über Wetzikon und Uster mit dem Zürcher Hauptbahnhof. Zusätzlich zur Bahnlinie im Tösstal (1875), am rechten Zürichseeufer (1894) und von Rüti nach Wald (1876) sollte ein Netz von Querverbindungen das Zürcher Oberland erschliessen. Gebaut wurden schliesslich die Linien Uster-Oetwil, Wetzikon-Meilen und Uerikon-Bauma. Obwohl bemängelt wurde, dass das Stationsgebäude in Dürnten zu weit weg vom Dorfzentrum liege, wurde das Projekt gutgeheissen. Nach nur zweijähriger Bauzeit wurde die Uerikon-Bauma-Bahn am 30. Mai 1901 eingeweiht. Von der Station Bubikon-Dürnten zwischen Lättenmoos und Bubikon fand nun auch die Dürntner Einwohnerschaft Zugang zum rasch wachsenden europaweiten Bahnnetz. Sogar der Arlberg-Orient-Express verkehrte einst auf dieser Linie. Da die Frequenzen im Personen- und Güterverkehr jedoch deutlich unter den Erwartungen lagen – ebenso wie bei den Bahnlinien Wetzikon-Meilen und Uster-Oetwil – wurde über die Stilllegung des Teilstückes Uerikon-Hinwil diskutiert. 1946 wurde die Stilllegung vom Zürcher Stimmvolk beschlossen, und am 2. Oktober 1948 verkehrte der letzte Zug zwischen Uerikon und Hinwil. Tags darauf nahmen die Verkehrsbetriebe Zürcher Oberland (VZO) ihren Busbetrieb auf. Der Bahnhof in Tann an der Eisenbahnlinie Rüti-Wald wurde am 1. August 1930 eröffnet.

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Wappen

Das Wappen – "in Rot ein von Gold und Schwarz gevierter Querbalken" – ist schon 1488 in einem Wappenbuch enthalten und stimmt überein mit dem Schild der Herren von Bühl, Dienstmannen der Grafen von Toggenburg. Sie treten als Zeugen in den Urkunden für das Kloster Rüti auf, das über Dürnten die niedere Gerichtsbarkeit besass. Die Landvogtei Grüningen wurde 1798 durch die neue helvetische Einheitsverfassung, die die Rechtsgleichheit von Stadt und Land mit sich brachte, aufgehoben. Von 1798 bis 1803 gehörte Dürnten zum helvetischen Distrikt Grüningen, von 1803 bis 1814 zum Mediationsbezirk Uster, von 1814 bis 1831 zum Oberamt Grüningen und seither zum Bezirk Hinwil.

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Wahrzeichen

Wahrzeichen von Dürnten ist die in den Jahren 1517/21 erbaute reformierte Kirche, die vor einigen Jahren unter Leitung der kantonalen und eidgenössischen Denkmalpflege restauriert wurde. Die Kirche Dürnten steht auf den Bauresten dreier früherer Kirchen, die Dank archäologischer Ausgrabungen recht genau rekonstruiert werden konnten. Der heutige Bau entstand auf Veranlassung des letzten Abtes von Rüti, Felix Klauser, unter Belassung und Aufstockung des alten Turmes. Besonders wertvoll ist die mit einer reichen Flachschnitzerei dekorierte alte Holzdecke. Im Verlaufe der Restaurierung kamen spätgotische Ornamentsmalereien zum Vorschein. Die Kirche Dürnten ist als Baudenkmal von kantonaler / nationaler Bedeutung eingestuft.

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